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Babyturnen

 

Art. RP v. 19.04.2008

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Artikel aus der RP v. 23.01.06 - Autor: H. Hintzen

Früh-Sport / Babyturnen

"Bewegung ist das Tor zum Lernen", sagt Uschi Klüber. Darum bietet sie beim Kempener TV Turnstunden für Babys an. Reck und Barren gibt's dabei nicht, aber allerlei Möglichkeiten spielerisch Bewegungserfahrungen zu sammeln.
Leon hat schon eine innige Beziehung zum Sportgerät entwickelt. "Ball", sagt der Knabe und wirft seiner Mutter einen Ball zu. Ok, Olli Kahn macht vielleicht bessere Einwürfe - aber für einen 18 Monate alten Sportler war das gar nicht schlecht. Bewegen scheint Leon überhaupt Spaß zu machen. Als Uschi Klüber ein Handtuch auf dem Boden ausbreitet und einen Kandidaten fürs Hin- und Herschwenken und Schaukeln sucht, ist der Anderthalbjährige der erste, der auf die Frottee-Schaukel krabbelt. "Bewegungserfahrungen machen", soll Leon, meint seine Mutter Alexa Kesting. Und das scheint in der Stunde mit Uschi Klüber auch ganz gut zu funktionieren.

Zumal die Übungsleiterin des Kempener Turnvereins es ihren Jung-Sportlern überlässt, was sie denn so treiben wollen. Bälle durch die Gegend rollen, Luftballons hochwerfen, durch einen Tunnel in ein Zelt kriechen odersich in einem Planschbecken voller Korken wälzen - sämtliche Disziplinen sind erlaubt. Und zwar im Freistil. Für vorgegebene Pflichtübungen ist es bei Anderthalb- bis Zweijährigen viel zu früh. "Die Kinder hätten gar nicht die Geduld in der Reihe zu stehen, und zu warten bis sie drankommen", sagt Uschi Klüber.

Die Übungsleiterin hat ganz andere Ziele und Methoden. Nach einer Begrüßungsrunde mit einem gemeinsamen Lied und ein paar Lockerungsübungen - "Jetzt machen wir die Füße wach und stampfen auf den Boden wie Elefanten!" - dürfen sich die Kinder selbst aussuchen, was sie ausprobieren wollen. "Wenn einem Kind auf dem Weg zum Korkenbad ein Luftballon in die Quere kommt und
es damit spielen will, warum denn nicht", sagt Klüber. Hauptsache, das Kind bewegt sich. "Mit Bewegungsförderung kann man gar nicht früh genug anfangen", meint die Trainerin, "Bewegung ist das Tor zum Lernen." Will heißen: Kinder, deren Körper gelernt haben, sich gut zu bewegen, sind auch geistig beweglicher und lernen besser.

Auch wenn ein frühkindlicher Luftballon-Akrobat nicht zwangsläufig zum Mathematik-Genie bestimmt ist: Dass manche Schulkinder damit überfordert sind, auf einer gerade Linie am Boden zu gehen, ist der Entwicklung gewiss nicht förderlich. Beim Baby-Turnen soll frühzeitig vorgebeugt werden. Gefüllte Stoffsäckchen und Bälle mit Noppen und Troddeln sind zum Anfassen da, ein Ball mit Glocken drin, klingt lustig beim Rollen, einen Luftballon hochwerfen und fangen fördert das Zusammenspiel von Augen und Armen, im
Korkenbad liegen fühlt sich mollig warm an - ein Rundum-Programm für Körpererfahrung.

Den Raum dafür bietet der Kempener TV in einem Zimmer neben seiner Geschäftsstelle: nicht so einschüchternd riesig wie eine Turnhalle, aber auch nicht zu winzig und nicht mit zu vielen verwirrenden Sachen vollgestellt. Irmela Lutterjohann-Zizelmann, die mit ihrer 18-monatigen Tochter Ronja Desirée gekommen ist, sieht noch einen weiteren Vorzug: "Ich find's auch gut, dass Ronja Desiree hier zu anderen Kindern Kontakt bekommt."

 

 

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